Eine verborgene Welt im Wald
Wenn im April die ersten warmen Tage den Boden wärmen, beginnt für viele Wildtiere eine besonders sensible Zeit. Auch beim Rotfuchs, einem der anpassungsfähigsten Bewohner unserer Landschaft, läuft jetzt die Aufzucht der Jungtiere auf Hochtouren. Doch nur selten bekommen Menschen einen wirklich intimen Einblick in diese ersten Lebenswochen. Denn kaum eine Tierart reagiert so empfindlich auf Störungen wie eine Fuchsfamilie am Wurfbau.
In seinem aktuellen Projekt konnte Wildlife Explorer David Cebulla über mehrere Wochen beobachten, wie Jungfüchse ihre ersten Schritte außerhalb des Baus wagen. Die wichtigsten biologischen Hintergründe haben wir hier zusammengefasst.
Geburt und die ersten Wochen im Bau
Füchse paaren sich in Mitteleuropa meist im Januar oder Februar. Nach rund 50 Tagen Tragzeit bringt die Fähe zwei bis sechs Welpen zur Welt. Sie sind blind, taub und nur 50 bis 100 Gramm schwer.
In den ersten Lebenswochen bleiben sie ausschließlich im sicheren Wurfbau, der häufig in Hängen, unter Wurzeln oder in alten Dachsbaueingängen liegt. Viele Menschen nehmen Füchse als Einzelgänger wahr. Doch in der frühen Aufzuchtphase ist der Familienverband sehr wichtig. Die Fähe bleibt in den ersten Wochen fast dauerhaft beim Nachwuchs. Sie säugt und putzt die Jungen. Außerdem bewacht sie den Bau. In dieser Zeit reagiert sie besonders aufmerksam auf Reize und Veränderungen.
Der Rüde versorgt die Familie vor allem mit Nahrung. Er wird seltener gesehen, da er meist in größerem Umkreis jagt. Sobald feste Nahrung eingeführt wird, bringt er kleine Beutetiere oder Aas zum Bau. Ab etwa vier Wochen nach der Geburt bringen beide Eltern feste Nahrung zum Nachwuchs. Mit diesem wichtigen Entwicklungsschritt sind die Jungen zunehmend unabhängiger.

Die ersten Schritte ins Freie
Etwa Ende April bis Anfang Mai zeigen sich die Jungfüchse erstmals draußen. Zu diesem Zeitpunkt:
- ist ihr Fell noch dunkelbraun bis fast schwarz,
- die Bewegungen wirken tapsig und unbeholfen,
- sie bleiben stets in unmittelbarer Nähe des Eingangs.
Spielen, Klettern und Verfolgungsjagden dienen in diesem Alter nicht nur der Beschäftigung, sondern sind ein wichtiger Bestandteil der sozialen Entwicklung. Durch dieses spielerische Kräftemessen bildet sich früh eine Rangordnung innerhalb des Wurfs.
Gefahren und Herausforderungen für junge Füchse
Die ersten Lebenswochen gehören zu den riskantesten Phasen im Leben eines Fuchses. Die Mortalität ist extrem hoch. Viele Welpen überleben ihr erstes Jahr nicht. Zu den häufigsten Ursachen zählen:
- natürliche Prädatoren wie Uhu, Habicht oder Wildschwein
- Krankheiten und Infektionen
- Jagd
- Straßenverkehr
- Störungen durch Hunde
- Nahrungsmangel im Revier
Zudem kommt es bei starken Verschmutzungen im Bau oder bei Gefahr häufig zu einem Bauwechsel.
Mit etwa sieben Wochen: Erkundungsdrang und wachsende Selbstständigkeit
Zwischen der sechsten und achten Woche beginnt eine entscheidende Phase. Die Welpen übernehmen zunehmend eigenständig Aufgaben zur Nahrungssuche und Orientierung.
- Sie entfernen sich immer weiter vom Bau.
- Die Spiele werden schneller und koordinierter.
- Erste Sprungübungen bereiten den typischen Mäusesprung für die spätere Jagd vor.
In dieser Zeit wirken die Jungfüchse äußerlich bereits wie kleine erwachsene Füchse: Das Fell färbt sich von dunkel zu rotbraun, der Körperbau streckt sich, die Bewegungen werden eleganter.
Kurzdoku Auf der Suche nach Jungfüchsen
Über sieben Wochen durfte Wildlife-Explorer und Naturfilmer David Cebulla einen ungewöhnlich intensiven Blick in das Leben einer Fuchsfamilie werfen, und zwar mit allen Höhen und Tiefen. Jede Beobachtung, jedes Erscheinen der Welpen war ein Geschenk, denn diese Einblicke bleiben den meisten Menschen verborgen.
Die Langversion der Fuchsdoku erscheint 2026. Hier kannst du bereits eine Kurzdokumentation über Davids Suche nach Jungfüchsen sehen: